4,8 Google MeisterbetriebHerstellerdiagnose XENTRY · ODIS · ISTAHardegsen b. Göttingen

Kurz gefasst: so klären wir einen Turboverdacht

Diagnosetermin anfragen über die Warteliste. Bestandskunden erreichen uns telefonisch unter 05505 5236.

Turbolader defekt: acht Symptome und was sie bedeuten

Diese acht Anzeichen führen bei uns zum Turboverdacht. Zu jedem steht, was es technisch bedeutet und wie belastbar es ist. Mehrere Symptome zusammen ergeben ein Muster, ein einzelnes für sich noch keinen Befund.

Leistungsverlust

Der Motor entwickelt weniger Leistung, besonders bei höheren Drehzahlen. Der Ladedruck bleibt unter dem Sollwert und ist im Live-Datenstrom messbar.

Pfeifgeräusch

Hochfrequentes Pfeifen aus dem Motorraum unter Last, das mit der Drehzahl steigt. Deutet auf Lagerspiel oder ein beschädigtes Verdichterrad hin.

Blaurauch

Blauer Rauch beim Anfahren nach längerer Standzeit: Öl gelangt über den Wellendichtring in den Abgas- oder Ladeluftweg und verbrennt.

Schwarzrauch

Zu fette Verbrennung, weil zu wenig Luft ankommt. Häufig eine Leckage in der Ladeluftstrecke, nicht zwingend der Lader selbst.

Motorkontrollleuchte

P0299 (Ladedruck zu niedrig), P0234 (Ladedruck zu hoch), P2563 (VTG-Steller unplausibel) oder Codes rund um den Ladedrucksensor.

Notlauf

Das Motorsteuergerät begrenzt die Leistung, sobald die Ladedruckregelung außerhalb der Toleranz arbeitet. Das ist ein Schutz, keine Diagnose.

Ölverbrauch ohne Leck

Der Ölstand sinkt, unter dem Fahrzeug ist nichts zu sehen. Ein Blick in das Ladeluftrohr zeigt oft, ob Öl aus dem Lader in die Ansaugstrecke gelangt.

Verzögertes Ansprechen

Der Ladedruck baut sich erst spät auf, unten heraus fehlt Durchzug. Typisch für festsitzende Leitschaufeln eines VTG-Laders.

Welches Symptom auf welche Ursache deutet

SymptomWahrscheinliche UrsacheSo klären wir es
Leistungsverlust, Ladedruck unter SollFestsitzende VTG-Verstellung oder Leckage in der LadeluftstreckeIst- und Sollwert im Datenstrom vergleichen, danach Stellgliedtest
Pfeifen oder Sirren unter LastLagerspiel oder beschädigtes VerdichterradEndoskopie von Schaufeln, Anlaufspuren und Gehäuse, ohne Ausbau
Blaurauch nach StandzeitWellendichtring des Laders oder VentilschaftdichtungenRauchverhalten unter Last, Ölspuren in der Ladeluftstrecke, Endoskopie
Schwarzrauch, träge BeschleunigungZu wenig Ladeluft, häufig eine Leckage statt eines LaderschadensDichtheitsprüfung der Ladeluftstrecke, Leckstelle lokalisieren
P0299, Ladedruck zu niedrigVTG, Leckage, Magnetventil, Sensor oder AbgasgegendruckLive-Daten, Sensorplausibilität, Stellgliedtest, Gegendruckmessung
P0234, Ladedruck zu hochVerstellung bleibt in enger Stellung stehenStellgliedtest, Gangbarkeit der Leitschaufeln bewerten
P2562, Positionsgeber des Stellers, StromkreisSignalweg zum Positionsgeber gestört: Stecker, Leitung oder die Elektronik im StellerVersorgung, Masse und Signal am Steller messen, Verhalten bei betriebswarmem Motor gegenprüfen
P2563, Positionsgeber, Bereich und PlausibilitätDie gemeldete Stellung passt nicht zum Befehl: schwergängige Geometrie, fehlende Grundeinstellung oder driftender GeberStellgliedtest über den gesamten Verstellweg, Soll und Rückmeldung gegeneinander aufzeichnen
Rasseln beim LastwechselAusgeschlagene Wastegate-Klappe bei OttomotorenKlappenspiel prüfen, Geräusch bei angesteuertem Steller reproduzieren
Ölstand sinkt ohne sichtbares LeckÖl gelangt über den Lader in die Ansaug- oder AbgasseiteLadeluftrohr und Ladeluftkühler auf Ölansammlung kontrollieren
Notlauf nach VolllastSteuergerät schützt den Motor bei LadedruckabweichungFehlerspeicher und aufgezeichneter Ist- und Sollverlauf zeigen den Auslöser
Notlauf kurz nach Lader- oder StellertauschGrundeinstellung der Endanschläge fehlt, oder die ursprüngliche Ursache besteht fortAdaptions- und Endanschlagwerte auslesen, Grundeinstellung durchführen, Regelverlauf danach erneut aufzeichnen

Zur Abgrenzung der beiden häufigsten Codes: P0299 Ladedruck zu niedrig: Diagnose vor Turbo-Tausch und P0234: Ladedruck zu hoch. Die Codeseite auf dieser Domain: P0299 im Überblick.

VTG-Turbolader defekt: welche Zeichen auf die Verstellung zeigen

Die variable Turbinengeometrie stellt die Leitschaufeln vor der Turbine je nach Betriebspunkt: eng bei niedriger Drehzahl, damit früh Ladedruck entsteht, weit geöffnet bei hohem Abgasstrom. Ein Defekt an dieser Verstellung erzeugt ein Bild, das sich von einem Lagerschaden am Laufzeug unterscheiden lässt, wenn man auf die richtigen Merkmale achtet.

Bewiesen wird der Verdacht über den Stellgliedtest. Wir fahren den Verstellweg über XENTRY, ODIS oder ISTA ab und stellen Sollposition und Rückmeldung gegeneinander. Bleibt die Rückmeldung an einer bestimmten Stelle stehen, sitzt die Geometrie dort fest. Folgt sie dem Signal gar nicht, sind der Steller selbst oder seine Ansteuerung an der Reihe. Beides sieht im Fehlerspeicher gleich aus und wird erst durch die Messung getrennt.

Bei den elektrischen Stellern der VW-Gruppe zeigt ODIS zusätzlich die Stromaufnahme des Stellmotors. Eine dauerhaft erhöhte Aufnahme bei gleichzeitig zurückbleibender Iststellung ist ein objektiver Hinweis auf eine schwergängige, verkokte Mechanik: Der Stellmotor arbeitet auf die geforderte Position hin, kommt gegen die Hemmung aber nicht durch. Reagiert der Steller im Stellgliedtest dagegen gar nicht, richtet sich der Verdacht auf das Bauteil selbst oder seine Verkabelung.

Turbolader prüfen: was Sie vor dem Werkstattbesuch selbst beurteilen können

Sieben Beobachtungen, für die Sie keine Diagnosetechnik brauchen. Sie ersetzen die Messung nicht, aber sie verkürzen die Fehlersuche erheblich, weil sie die Vorgeschichte liefern. Notieren Sie Ihre Befunde und bringen Sie sie zum Termin mit.

PrüfungSo gehen Sie vorWas der Befund bedeutet
Ölstand und ÖlzustandBei kaltem Motor auf ebener Fläche messen. Ölfarbe und Ölmenge notieren, Intervall seit dem letzten Ölwechsel prüfen.Ölmangel und überaltertes Öl sind die häufigste Vorgeschichte eines Lagerschadens. Sinkender Ölstand ohne sichtbare Undichtigkeit ist ein ernstes Zeichen.
Ladeluftschläuche abtastenSchläuche zwischen Lader, Ladeluftkühler und Ansaugkrümmer auf Risse, ölige Ränder an den Schellen und lose Verbindungen kontrollieren.Eine offene Ladeluftstrecke erzeugt dasselbe Fehlerbild wie ein müder Lader. Ölfilm an einer Verbindung weist auf austretende Ladeluft hin.
Luftfilter und AnsaugwegFiltergehäuse öffnen, Filter auf korrekten Sitz und Verschmutzung prüfen, Ansaugschlauch auf Risse kontrollieren.Ein falsch sitzender Filter lässt Partikel an das Verdichterrad. Bereits kleine Einschläge verändern das Laufverhalten dauerhaft.
Rauchbild beobachtenBeim Kaltstart nach längerer Standzeit und anschließend unter Last aus dem Stand heraus auf Farbe und Dauer des Rauchs achten.Blau nur kurz nach dem Start deutet eher auf die Ventilschaftdichtungen, blau anhaltend unter Last eher auf den Wellendichtring des Laders.
Geräusch einordnenAuf Art und Verlauf achten: gleichmäßiges Sirren, das mit der Drehzahl steigt, oder ein Rasseln im unteren Drehzahlbereich.Ein Sirren spricht für Lagerspiel oder Schaufelschaden, ein Rasseln beim Lastwechsel eher für ein ausgeschlagenes Wastegate.
Fehlerspeicher lesen lassenCodes notieren, bevor sie gelöscht werden. Relevant sind P0299, P0234, P2563, P0046 und alle Codes zum Ladedrucksensor.Der Code benennt die Regelabweichung, nicht das defekte Bauteil. Er ist der Einstieg in die Messung, nicht deren Ergebnis.
Wellenspiel prüfenDiese Prüfung gehört in die Werkstatt. Sie erfordert Zugang zum Verdichterrad und eine Messuhr für Axial- und Radialspiel.Von Hand gefühltes Spiel ist kein Befund. Radiales Spiel ist konstruktiv vorhanden, entscheidend ist der gemessene Wert gegen die Herstellervorgabe.

Ausführlich beschrieben in unserem Beitrag Turbolader messen: Ladedruck, Wellenspiel, Stellersignal.

Ladedruckregler, Ladedrucksteller, Magnetventil: welches Bauteil ist gemeint?

Vier Begriffe werden im Alltag durcheinander verwendet, und genau daraus entstehen die teuersten Fehlkäufe. Die Tabelle ordnet jeden Begriff dem Bauteil zu, nennt seine typischen Symptome und die Messung, mit der wir ihn bewerten. Ausführlich mit Aufgabe, Defektbild, Fehlercode und Prüfung je Bauteil: Ladedruckregler, Sensor und Steller auseinandersortiert.

BegriffWelches Bauteil gemeint istTypische SymptomeUnsere Prüfung
LadedruckreglerSammelbegriff für die gesamte Regelstrecke: Magnetventil, Steller und Verstellmechanik. In Foren meist gleichbedeutend mit dem Bauteil, das den Ladedruck begrenzt.Ladedruck zu niedrig oder zu hoch, Notlauf unter Volllast, wechselnde Leistung ohne erkennbares Muster.Soll- und Ist-Ladedruck unter Last aufzeichnen, danach Magnetventil und Steller getrennt bewerten.
Ladedrucksteller / VTG-StellerDas Stellglied am Lader: Unterdruckdose mit Gestänge oder elektrischer Stellmotor mit Positionsgeber.Träges Ansprechen von unten heraus, ruckartiger Leistungseinsatz, P2563, bei elektrischen Stellern auch Fehler über die Positionsrückmeldung.Stellgliedtest, Hub der Dose messen, Ansteuerung und Rückmeldung des Stellmotors mit dem Oszilloskop aufzeichnen.
Ladedruck-Magnetventil (N75)Elektrisch getaktetes Ventil, das den Steuerdruck für die Unterdruckdose bereitstellt.Ladedruck erreicht den Sollwert nicht oder schießt darüber hinaus, P0046, P0299, P0234.Ansteuersignal am Stecker messen, Ventil schalten und Steuerdruck an der Dose gegenprüfen.
LadedrucksensorDrucksensor im Ansaugkrümmer oder Ladeluftrohr, der dem Steuergerät den Istwert liefert.Leistung schwankt, Notlauf ohne mechanischen Befund, P0238 oder unplausible Ladedruckwerte im Datenstrom.Wert bei stehendem Motor gegen den Umgebungsdruck plausibilisieren, unter Last gegen einen Referenzdruck stellen.
WastegateBypassklappe an Ladern ohne variable Geometrie, meist bei Ottomotoren. Sie leitet Abgas an der Turbine vorbei und begrenzt so den Ladedruck.Rasselndes oder metallisches Geräusch im unteren Drehzahlbereich, Ladedruckabweichung nach oben oder unten.Klappenspiel prüfen, Stellersignal messen, Geräusch bei angesteuertem Steller reproduzieren.

P2562 und P2563 betreffen beide den Positionsgeber des Ladedruckstellers und meinen doch zwei verschiedene Dinge. P2562 zielt auf den Stromkreis: Das Signal ist gestört oder bleibt aus, häufig durch einen korrodierten Stecker, eine gescheuerte Leitung oder die thermisch gealterte Elektronik im Steller. Solche Fälle treten oft sporadisch und temperaturabhängig auf und lassen sich bei kaltem Motor nicht nachstellen. P2563 zielt auf den gemeldeten Bereich: Das Steuergerät fordert eine Stellung an, der Geber meldet eine andere. Das ist häufiger ein mechanischer als ein elektrischer Befund, etwa eine schwergängige Geometrie, eine fehlende Grundeinstellung oder ein Unterdruckschlauch, der die Dose nicht mehr über den vollen Weg zieht. Die Unterscheidung entscheidet über den weiteren Weg: Bei P2562 messen wir den Signalweg, bei P2563 den Verstellweg. Wird sie übersprungen, endet der Fall regelmäßig beim Austausch eines Stellers, der nie defekt war.

Vertiefend zu den Stellern: P2562 gegen P2563: Ladedrucksteller-Aktuator · BMW Ladedrucksteller B47/B57 prüfen · Elektrischer VTG-Steller im TDI: Grundeinstellung · P2563: Plausibilität des VTG-Stellers · P0046: Magnetventil der Ladedruckregelung · P0238: Ladedrucksensor Signal zu hoch

Die neun Ursachen, die wir am häufigsten befunden

Mangelschmierung des Laderlagers

Die häufigste Ursache für Turboschäden. Die Gleitlager laufen mit sehr hohen Drehzahlen und sind auf konstanten Öldruck und sauberes Öl angewiesen. Zu lange Ölwechselintervalle, ein verstopftes Ölsieb, eine geknickte Rücklaufleitung oder eine nachlassende Ölpumpe führen zu Lagerverschleiß und schließlich zu Wellenspiel.

Erkennbar durch: Öldruck mechanisch messen, Zulauf- und Rücklaufleitung auf freien Durchfluss prüfen, Ölzustand und Ölstand dokumentieren.

Fremdkörper im Ansaugtrakt

Über einen falsch sitzenden Luftfilter, einen gerissenen Ansaugschlauch oder ein zerbrochenes Klappenstück im Ansaugkanal gelangen harte Partikel an das Verdichterrad. Schon ein kleines Bruchstück schlägt die feinen Schaufelkanten um und bringt das Laufzeug aus dem Gleichgewicht.

Erkennbar durch: Ansaugweg vom Luftfilter bis zum Verdichtereintritt lückenlos prüfen, Verdichterrad per Endoskop begutachten.

Festsitzende VTG-Verstellung

Die variable Turbinengeometrie verstellt die Leitschaufeln je nach Betriebspunkt. Ruß und Ölnebel aus der Abgasrückführung lagern sich auf Schaufeln und Verstellring ab. Bei überwiegendem Kurzstreckenbetrieb backen diese Ablagerungen fest, die Verstellung wird schwergängig oder blockiert vollständig.

Erkennbar durch: Stellgliedtest über die Herstellerdiagnose, Vergleich von Sollposition und Rückmeldung des Stellers, Sichtprüfung des Verstellhebels.

Defekter Ladedrucksteller oder Stellmotor

Die Leitschaufeln werden je nach Bauart über eine Unterdruckdose oder einen elektrischen Stellmotor bewegt. Bei der Unterdruckdose reißt die Membran oder das Gestänge korrodiert fest. Elektrische Steller fallen durch Getriebeverschleiß, Feuchtigkeit oder eine defekte Endstufe aus.

Erkennbar durch: Unterdruck an der Dose anlegen und Hub messen, beim elektrischen Steller Ansteuerung und Positionsrückmeldung mit dem Oszilloskop aufzeichnen.

Defekter Ladedruck-Magnetventil-Kreis

Das Ladedruck-Magnetventil, bei der VW-Gruppe als N75 bekannt, taktet den Steuerdruck für die Unterdruckdose. Verstopfte Schlauchleitungen, ein festsitzendes Ventil oder eine unterbrochene Ansteuerung führen dazu, dass die Regelung nicht mehr greift, obwohl Lader und Dose in Ordnung sind.

Erkennbar durch: Ventil ansteuern und schalten hören, Steuerdruck an der Dose messen, Ansteuersignal am Stecker prüfen.

Fehlende Ansteuerung von Steller oder Magnetventil

Steller und Magnetventil stehen am Ende einer Kette aus Versorgung, Masse, Signalleitung, Stecker und der Endstufe im Motorsteuergerät. Fällt irgendwo in dieser Kette etwas aus, steht ein einwandfreies Bauteil ohne Signal da und erzeugt dasselbe Fehlerbild wie ein defekter Steller. Scheuerstellen im Leitungsstrang, Feuchtigkeit im Stecker und Übergangswiderstände nach einem Marderbiss sind die Befunde, die wir hier regelmäßig sehen. Ein Bauteiltausch bleibt in diesen Fällen ohne Wirkung, weil das neue Teil dieselbe stumme Leitung vorfindet.

Erkennbar durch: Ansteuersignal am Ausgang des Steuergeräts und direkt am Verbraucher vergleichen. Liegt es am Ausgang an und kommt am Bauteil nicht an, liegt der Fehler dazwischen.

Undichte Ladeluftstrecke

Risse in Ladeluftschläuchen, poröse Dichtringe am Ladeluftkühler oder gelockerte Schellen lassen verdichtete Luft entweichen, bevor sie den Ansaugkrümmer erreicht. Der Ladedruck bricht ein, der Lader selbst arbeitet einwandfrei. Dieser Fall wird sehr häufig als Turboschaden fehlgedeutet.

Erkennbar durch: Dichtheitsprüfung mit Druckluft, Leckstelle mit Prüfmittel sichtbar machen, Ladeluftkühler auf Ölansammlung kontrollieren.

Falscher Ladedruck-Istwert durch defekten Sensor

Der Ladedrucksensor meldet dem Steuergerät den tatsächlichen Druck im Ansaugkrümmer. Driftet dieser Sensor, regelt das Steuergerät auf einen falschen Wert oder meldet eine Abweichung, obwohl der Lader korrekt arbeitet. Ein Sensortausch ohne Messung bleibt hier Glückssache.

Erkennbar durch: Sensorwert gegen den Umgebungsdruck bei stehendem Motor plausibilisieren und unter Last gegen einen Referenzdruck stellen.

Abgasgegendruck hinter der Turbine

Ein zugesetzter Dieselpartikelfilter oder ein kollabierter Katalysator staut das Abgas vor der Turbine. Der Lader kommt nicht auf Drehzahl, der Ladedruck bleibt niedrig. Ein Turbotausch beseitigt das Symptom hier nicht, weil die Ursache hinter der Turbine liegt.

Erkennbar durch: Abgasgegendruck messen, Differenzdruck und Beladungswerte des Partikelfilters auslesen.

Was sich instand setzen lässt und wann wir zum Austausch raten

Ein Turboverdacht endet nicht automatisch beim neuen Lader. Ein erheblicher Teil der Fälle, die als Turboschaden zu uns kommen, ist Einzelteilarbeit an Steller, Ventil oder Ladeluftstrecke. Wo der Austausch der richtige Weg ist, sagen wir es ebenso deutlich, denn ein gewuchtetes Laufzeug ist keine Arbeit für die Fahrzeugwerkstatt.

BefundUnser WegWarum
Leitschaufeln und Verstellring verkokt, mechanisch unbeschädigtReinigung und Gangbarmachung, anschließend Grundeinstellung des StellersDie Geometrie ist erhalten. Nach der Reinigung muss die Verstellung über den gesamten Weg leichtgängig sein, sonst setzt sie erneut fest.
Unterdruckdose mit gerissener Membran oder festem GestängeSteller instand setzen oder als Einzelteil ersetzenDer Lader bleibt am Fahrzeug. Nach dem Wechsel wird der Hub eingestellt, damit die Regelung wieder im Kennfeld arbeitet.
Elektrischer VTG-Steller ohne PositionsrückmeldungSteller ersetzen, danach Grundeinstellung und Adaption über die HerstellerdiagnoseOhne die Grundeinstellung kennt das Steuergerät die Endanschläge nicht. Der Fehler kehrt sonst kurz nach der Reparatur zurück.
Ladedruck-Magnetventil verstopft oder ohne AnsteuerungVentil und Schlauchführung erneuern, Ansteuerkreis prüfenEin kleines Bauteil mit großer Wirkung. Wird nur das Ventil getauscht, obwohl die Ansteuerung fehlt, bleibt der Fehler bestehen.
Risse oder Fehlstellen in der LadeluftstreckeBetroffene Leitung, Dichtring oder Schelle erneuernHier ist der Lader unbeteiligt. Die Dichtheitsprüfung nach der Reparatur belegt, dass die Strecke wieder geschlossen ist.
Wellenspiel über Herstellertoleranz, Ölspuren beidseitigAustausch des Laders, keine Instandsetzung am FahrzeugDas Laufzeug wird gewuchtet. Diese Arbeit gehört in einen darauf eingerichteten Betrieb, nicht in die Fahrzeugwerkstatt.
Verdichter- oder Turbinenrad mit EinschlagspurenAustausch des Laders, zusätzlich Ursachenklärung im AnsaugwegWird die Eintrittsstelle des Fremdkörpers nicht gefunden, trifft es den neuen Lader auf dieselbe Weise.
Ölkohle im Rücklauf, Lagerschaden nach ÖlmangelAustausch des Laders, dazu Ölkreislauf spülen und Zulauf erneuernRückstände aus dem alten Kreislauf erreichen sonst das neue Lager. Der Ölweg ist Teil der Reparatur, nicht ein Zusatz.

Weiterführend: Turbolader und VTG: Diagnose und Instandsetzung · VTG-Verkokung: Festsitzen, Notlauf, Instandsetzung · Turbolader-Endabnahme: Prüfung statt Tausch · Gebrauchtteile richtig kaufen: Turbolader, AGR, DPF

So läuft die Turbolader-Diagnose bei uns ab

  1. Fehlerspeicher und Ladedruck im Datenstrom

    Alle Steuergeräte auslesen, Freeze-Frame bewerten, Soll- und Ist-Ladedruck unter Last aufzeichnen. Das trennt bereits Regelabweichung von Sensorproblem.

  2. Ansaug- und Ladeluftstrecke auf Dichtheit

    Luftfilter, Ansaugschlauch, Ladeluftkühler und Verbindungen prüfen. Bei Verdacht Dichtheitsprüfung mit Druckluft und Lokalisierung der Leckstelle.

  3. Steller und Magnetventil messen

    Stellgliedtest über XENTRY, ODIS oder ISTA. Hub der Unterdruckdose messen oder Ansteuerung und Positionsrückmeldung des elektrischen Stellers aufzeichnen.

  4. Ölversorgung und Abgasgegendruck

    Öldruck messen, Zulauf und Rücklauf auf Durchfluss prüfen, Abgasgegendruck und Beladung des Partikelfilters bewerten.

  5. Endoskopie des Laufzeugs

    Verdichter- und Turbinenrad per Endoskop begutachten, Anlaufspuren im Gehäuse und Ölaustritt dokumentieren. Für die Erstbeurteilung ohne Ausbau.

  6. Befund, Festpreis, Entscheidung

    Sie erhalten den schriftlichen Befund mit Messwerten und eine klare Empfehlung: Reinigung, Steller, Leitung oder Austausch. Erst nach Ihrer Freigabe wird gearbeitet.

Termin, Dauer und der Weg für eingesandte Bauteile

Die Diagnose findet am Fahrzeug statt. Ladedruck, Ölversorgung und Abgasgegendruck lassen sich nur im Betrieb bewerten, und ein sporadischer Fehler zeigt sich erst unter den Bedingungen, unter denen er auftritt. Für die Standarddiagnose planen wir das Fahrzeug einen Werkstatttag ein. Kommen Dichtheitsprüfung, Öldruckmessung und Endoskopie hinzu, kann ein zweiter Tag nötig werden.

Die Nachfrage über unsere Website übersteigt derzeit die Werkstattkapazität. Neue Kundenfahrzeuge nehmen wir deshalb über die Warteliste auf: Beschreiben Sie Fahrzeug, Fehlerbild und die Codes, die bereits ausgelesen wurden, und wir melden uns, sobald ein Platz frei wird. Bestandskunden erreichen uns telefonisch.

Was ans Fahrzeug gehört und was wir bundesweit übernehmen

Am Fahrzeug: Ladedruck unter Last, Dichtheit der Ladeluftstrecke, Ölversorgung und Abgasgegendruck. Diese Größen sind nur im Betrieb bewertbar, dafür brauchen wir das Fahrzeug in der Werkstatt. Der Lader selbst ist mechanische Arbeit am Fahrzeug und damit kein Fall für den Postweg.

Über den Postweg: die elektronischen Baugruppen der Ladedruckregelung. Ein elektrischer Ladedrucksteller mit gestörter Positionsrückmeldung oder ein Motorsteuergerät, dessen Endstufe den Steller nicht mehr schaltet: Das sind Baugruppen für unsere Werkbank, und dafür arbeiten wir bundesweit über den Einsende-Service. Bleibt ein Bauteil dagegen nur deshalb stumm, weil ihm Versorgung, Masse oder Signal fehlen, liegt der Fehler im Fahrzeug und nicht im eingesandten Teil.

Damit wir Ihnen vorab sagen können, welcher Weg der richtige ist, brauchen wir die Teilenummer des Stellers, die Motorkennung und die ausgelesenen Codes. Ein Steller, der gegen eine festsitzende Geometrie arbeitet, ist kein Fall für den Postweg, weil auch ein neues Bauteil an derselben Mechanik scheitert. Das sagen wir Ihnen vorher und nicht nach dem Versand.

So kommen Sie zu einem Befund: Nennen Sie uns Fahrzeug, Motorkennung, Laufleistung, das Fehlerbild und die bereits ausgelesenen Codes. Damit lässt sich vorab einschätzen, welche Messungen sinnvoll sind und welcher Aufwand dahintersteht. Zur Warteliste Bestandskunden: 05505 5236

Womit wir Ladedruck und Steller messen

Für Mercedes, BMW und die VW-Gruppe arbeiten wir mit den Originalsystemen der Hersteller. Sie bieten den direkten Stellgliedtest der Verstellung und Live-Daten in Herstellerqualität. Für alle übrigen Marken kombinieren wir die Standard-Diagnoseschnittstelle mit eigener Messtechnik: Oszilloskop, Referenzdruckgeber und Endoskop.

XENTRY Mercedes-Benz, Sprinter, Vito Stellgliedtest der Verstellung, Ladedruck Ist und Soll, Raildruck, Abgastemperaturen
ISTA BMW, Mini Ansteuerung des Ladedruckstellers, Regelabweichung, Auswertung für N47, N57 und B47
ODIS VW, Audi, Skoda, Seat Grundeinstellung des VTG-Stellers, Einfluss der Abgasrückführung, Sensorabgleich
Messtechnik Ford, Opel, Renault, Hyundai und weitere Ladedruck-Messwerte, Oszilloskop am Steller, Dichtheitsprüfung, Endoskopie

Markenspezifische Fallbeispiele: BMW N57: Ausfallmuster und Diagnose · BMW N55: rasselndes Wastegate · VAG TDI: Ladedruckbefund über ODIS

Häufige Fragen zu Turbolader und Ladedruckregelung

Fehlercodes, die hierher führen

Steht einer dieser Einträge in Ihrem Fehlerspeicher, sind Sie auf dieser Seite richtig. Was der Code im Einzelnen bedeutet und wie wir ihn eingrenzen, steht auf der jeweiligen Code-Seite.